Nach dem Unentschieden beim Auswärtsspiel in Düsseldorf letzte Woche, war für den FCK beim Heimspiel gegen Sandhausen ein Sieg Pflicht. Jedenfalls, wenn man davon ausgehen muss, dass das nächste Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart alles andere als einfach werden wird. Schließlich gilt es, gerade die Heimspiele erfolgreich zu gestalten, zumal gegen die Gegner auf Augenhöhe. Der Sieg gegen den heutigen Gegner in der Hinrunde, die Rückkehr des Afrika-Meisters Jacques Zoua und die nach wie vor stabile Abwehr stimmten vor dem Spiel relativ optimistisch. Als nach dem Abpfiff das auf dem Betzenberg lange nicht mehr gehörte „Oh, wie ist das schön …“ durch das Stadionrund hallte, war die Erleichterung nicht nur den drei gewonnen Punkten, sondern gerade auch den drei geschossenen Toren geschuldet.

Mit Verspätung in die erste Halbzeit

Beruflich bedingt konnte ich heute erst verspätet zur 20. Spielminute einschalten. Und wie ich der Nachberichterstattung entnehmen konnte, waren die Roten Teufel mental auch nicht gerade pünktlich in die erste Halbzeit gestartet. Die ersten 20 Minuten gehörten dem SV Sandhausen, der bereits zwei gute Chancen auf dem Konto hatte, als ich es mir auf der Couch bequem gemacht und den Fernseher eingeschaltet hatte. In der dritten Spielminute scheiterte Stiefler mit einer guten Chance per Kopf und in der 19. Spielminute rettete gegen einen Distanzschuss von Linsmayer der Pfosten. Die Chance von Wooten in der 25. Spielminute konnte ich dann selbst verfolgen.

Vom FCK war offensiv bis dahin nicht allzu viel zu sehen, was mir die Gelegenheit gab, mir die Aufstellung anzuschauen. Trainer Norbert Meier schicke eine auf zwei Positionen veränderte Mannschaft auf den heimischen Rasen. Der verletzte Patrick Ziegler wurde durch Marlon Frey ersetzt und für Jacques Zoua musste Osayamen Osawe auf der Bank Platz nehmen.

Der Afrika-Cup-Meister schießt den FCK in Führung

Dass die Hereinnahme von Afrika-Cup-Sieger Zoua sich bereits zur 26. Minute auszahlt und den Betzenberg zum ersten mal an diesem Abend in Verzückung stürzt, täuscht ein bisschen darüber hinweg, dass es erst der erste Torschuss des FCK war. Für ein Heimspiel ein bisschen mager, würde der kritische Betrachter sagen, endlich kaltschnäuzig und effektiv der längst nüchterne Fan dieser Tage. So war für diesen Führungstreffer auch die Mithilfe des Gegners nötig, der nach dem katastrophalen, da viel zu kurzen Rückpass von Knipping sich den Rückstand zur Hälfte selbst einschenkt. Diesen Fehler nutzt Zoua eiskalt aus und bringt die Roten Teufel auf die Siegesstraße.

Wie aufgedreht hätte es nur wenige Minuten später schon wieder durch Zoua klingeln können, der nach einem tollen Spielzug über links nach innen zieht und einfach mal draufhält. Knaller kann jedoch zur Ecke klären.

Aggressives Anlaufen des Gegners bringt diesen ziemlich in Bedrängnis und treibt den SV Sandhausen von einem in den nächste Fehler. In der 33. Minute läuft Halfar allein auf Knaller zu. Der bleibt allerdings ganz cool stehen und klärt zur nächsten Ecke.

Das 2:0 von Marcel Gaus in der 34. Spielminute

Dieser Eckball nach der Chance von Halfar soll es dann in sich haben. Getreten von Kerk landet die Ecke bei Heubach, der stramm abzieht. Letztendlich ist es dann der Oberschenkel von Marcel Gaus, der den Ball in die Maschen des gegnerischen Tors befördert. Dieses Tor zum 2:0 hatte sich abgezeichnet, denn das 1:0 in der 26. Minute war für den FCK der Dosenöffner für das Spiel.

Bis zum Pausentee hat der FCK noch zwei weitere Chancen, um den Deckel schon vorzeitig auf die Partie zu setzen. Zunächst köpft Kerk zu unplatziert, nachdem er von Halfar toll bedient wurde. Dann, in der letzten Spielminute der ersten Hälfte, setzt sich Gaus über links schön durch und schießt aus knapp 15 Metern nur knapp am Tor vorbei.

Die zweite Hälfte beginnt wie die erste

Wer sich beim Pausenbier und Bratwurst auf weitere Chancen und dann auch Tore für den FCK freute, der freute sich die ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit zu früh. Sandhausen wechselte gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs zweimal. Für den völlig verunsicherten Knipping kommt Kister und der ehemalige Lautrer Sakuta-Pasu ersetzt Stiefler. Und die Sandhäuser wollen es noch einmal wissen. Bis zur 60. Minute kann sich der Gegner die eine und andere gute Chance erspielen, scheitern aber an sich selbst oder spätestens am starken Pollersbeck.

Erst langsam gelingt es dem FCK in der zweiten Halbzeit selbst offensive Akzente zu setzen. Klar! Sandhausen liegt zurück und muss kommen, der FCK führt mit zwei Toren und kann sich auf das Kontern beschränken. Nach den ersten 15 Minuten gelingt es den Roten Teufeln auch, den weiteren Spielverlauf souveräner zu gestalten.

In der 70. Minute wechselt Norbert Meier zum ersten mal und bringt für den Kapitän Daniel Halfar mit Osawe einen weiteren Stürmer. Das hätte ich jetzt nicht unbedingt erwartet.

Kerk im Pech, aber Osawe findet das Deckelchen

In der 77. Spielminute hatte Sebastian Kerk das 3:0 schon fast erzielt, nachdem er zusammen mit Kacper Przybylko alleine auf den gegnerischen Torwart zulief. Pritsche zieht nach rechts und bedient den freistehenden und einschussbereiten Kerk. Der schießt auf das leere Tor, doch der zurückgeeilte Pledl kann die Pille gerade noch von der Linie kratzen. Unglaublich!

Nur zwei Minuten später machen es dann Zoua und Osawe besser. Kerk, eben noch im Pech, passt schön auf den abseitsverdächtig lauernden Zoua. Der sprintet über links in Richtung Strafraum und passt scharf auf den in der Mitte postierten Osawe, der zum 3:0 verwandelt. Das war’s! Deckel drauf, aus die Maus.

»Einer geht noch … einer geht noch rein!«

Das hat man schon lange nicht mehr auf dem Betzenberg gehört: »Einer geht noch … einer geht noch rein!« Nicht ganz. Muss aber auch nicht. Das Spiel ist entschieden. Erwähnenswert ist noch, dass in der 86. Minute für den gefeierten Zoua unser Joker Robert Glatzel eingewechselt wird und in der 90. Minute Nasser Aliji nach langer Verletzung für Kerk kommt.

In einem letztendlich guten und souveränen Heimspiel besiegt der FCK den SV Sandhausen vielleicht um ein Tor zu hoch. Damit sichern sich die Roten Teufel ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf. Jawohl! Im Abstiegskampf. Den der ist für den FCK noch längst nicht vorbei. Aber das Spiel hat Mut gemacht und auch was für das Selbstvertrauen gebracht. Und davon können die Betzebuben beim kommenden schweren Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart hoffentlich zehren.

Artikelfoto: Jens Geilich (rockxx.de | CC-BY-NC)

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