Football

Positionen der Offense im American Football

Der Quarterback ist die schillerndste Figur in der Offense eine Football-Teams, dicht gefolgt von den Wide Reveivern und dem Running Back. Doch es gibt noch mehr Figuren auf dem Schachbrett, ohne die jeder Quarterback blass aussehen würde.

Pünktlich zum Start in eine neue Saison der NFL möchte ich für alle Football-Newbies eine kleine Serie von „Erklär-Bär-Artikel“ raushauen, die möglichst kurz und ohne allzu viel Football-Fach-Chinesisch die Grundlagen des American Football erklären. Den Auftakt bildet dieser Beitrag, in welchem ich die Positionen der Offense im American Football vorstellen und erläutern möchte. Damit der Artikel nicht zu lang wird und auch möglichst leicht zu verstehen ist, werde ich mich auf das Wesentliche beschränken. Los geht’s …

Vorbemerkungen

Ich gehe hier davon aus, dass Dir die Grundregeln des American Football soweit geläufig sind und setze diese für das Verständnis dieses Beitrags voraus. Wenn Dir diese Grundregeln aber überhaupt noch nicht vertraut sind, dann empfehle ich Dir dieses kurze Video der NFL in deutscher Sprache. Einige Bemerkungen zu spezifischen Regeln für die Offense möchte ich im Folgenden voranstellen.

Line of Scrimmage und Neutral Zone

Die Line of Scrimmage ist die quer über die Spielfeldbreite verlaufende (in Abbildung 1 gestrichelte) Linie, an welcher die Offense und die gegnerische Defense sich unmittelbar gegenüberstehen. Frei und sinngemäß übersetzt, kann man sie als „Anspiellinie“ bezeichnen; „Gedrängelinie“ wäre die korrekte Übersetzung. Auf dieser gedachten (da unsichtbaren) Line of Scrimmage liegt vor Beginn jedes Spielzugs („Down“) der Ball. Dementsprechend „wandert“ die Line of Scrimmage über das Spielfeld, je nachdem, ob mit den einzelnen Downs Raumgewinn oder Raumverlust erzielt worden ist. Bei einem „normalen“ Down definiert die Länge des Balls, also von Spitze zu Spitze, die sogenannte Neutral Zone.

Bevor der sogenannte Snap durch den Center (C) nicht erfolgt ist, darf kein Spieler die Line of Scrimmage übertreten bzw. die sogenannte Neutral Zone betreten. Lediglich der Center darf sich mit wenigen Körperteilen (bspw. seiner Hand und seinem Unterarm) in der neutralen Zone befinden, er muss ja den Ball ins Spiel bringen.

Die „Seven on the line, four in the back Convention“

Grundsätzlich muss die Offense mindestens sieben Spieler unmittelbar an der Line of Scrimmage aufstellen. Die Offense könnte direkt an der Line zwar mehr Spieler aufstellen, aber von diesen sind nur die jeweils äußeren Spieler „eligible receivers“, also passberechtigte (mittels Pass anspielbare) Spieler. Deshalb folgen die Teams dieser Konvention und stellen in den allermeisten Fällen sieben Spieler direkt an die Line of Scrimmage. Die übrigen vier Spieler müssen sich mindestens ein Yard hinter der Line of Scrimmage aufstellen.

Haben sich die Spieler an bzw. hinter der Line of Scrimmage aufgestellt und ihre Positionen eingenommen, dürfen sie sich nicht mehr bewegen, bis der Snap erfolgt ist. Zwischen diesem Einnehmen der Positionen („Set“) und dem Snap muss mindestens eine Sekunde verstreichen. Lediglich ein Spieler, der nicht unmittelbar an der Line of Scrimmage aufgestellt ist, darf sich vor dem Snap bewegen und seine eingenommene Position verlassen („in motion“). Meistens ist das einer der Wide Receiver.

Die I-Formation (Basic) im American Football
Abb. 1: Die klassische I-Formation (Basic)

Die Offensive Line (O-Line)

Die Offensive Line (O-Line) sind die fünf Spieler, die vor dem Quarterback aufgestellt sind. Die O-Line besteht aus einem Center, zwei Guards (Right und Left Guard) und zwei Tackles (Right und Left Tackle). Diese fünf Spieler dürfen nicht mit einem Vorwärtspass direkt angespielt werden; sie sind „ineligible reveivers“. Die Spieler der O-Line tragen Rückennummern zwischen 50 und 79, so dass die gegnerischen Spieler wissen, dass sie nicht passberechtigte Spieler der O-Line sind.

Die beiden Aufgaben, die der O-Line zukommen, sind das Run Blocking während eines Laufspielzugs und das Pass Blocking, wenn der Ball durch die Luft gespielt wird. Bei einem Laufspielzug blocken die Spieler der O-Line nach vorne und zur Seite, damit für den Ballträger bestenfalls eine Lücke freigeblockt wird, durch die dieser schlüpfen kann. Dabei darf aber auch wirklich nur geblockt werden. Festhalten (Holding) gilt nicht und wird bestraft. Bei einem Passspielzug bilden die Spieler der O-Line um den Quarterback eine sogenannte „Pocket“ und beschützen ihn vor den heranstürmenden Spielern des Gegners (die sog. „Pass Rusher“). Auch hier gilt, dass nur geblockt werden darf und jegliches Festhalten verboten ist. Außerdem ist es den Spielern der O-Line bei einem Passspiel nicht gestattet, die Line Of Scrimmage zu übertreten, bevor der Pass geworfen worden ist.

Leider stehen die Spieler der O-Line oft nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit der Zuschauer, obwohl sie für ein erfolgreiches Offensivspiel genauso wichtig sind, wie der Quarterback, die Running Backs und die Receiver. Ohne eine funktionierende O-Line klappen weder Lauf- noch Passspiel. Insofern kann man sich Patrick Esume nur anschließen: Die Offensive Line ist der wichtigste Teil eines Footballteams (in dem verlinkten Video mal ab Minute 16:50 genau zuhören), auch wenn nach wie vor gilt: „Offense wins games, Defense wins championships“.

Tight End

Der Tight End ist eine Spielerposition, die man als Mischung von Offensive Lineman und Receiver beschreiben könnte. Der Tight End blockt entweder zusammen mit den Spielern der O-Line oder läuft Passrouten und fungiert so als zusätzlicher Passempfänger neben den Wide Receivern. Er stellt sich in der Regel am äußeren rechten oder linken Ende der O-Line neben dem Right oder Left Tackle auf. Diese Seite wird dann als „Strong Side“ bezeichnet. Es gibt auch Angriffsformationen, in welchen gleich zwei Tight Ends aufgestellt werden.

Die „Backs“ in der Offense

Der Quarterback ist im Football der Spielmacher des Teams, genauer: der Offense. Ihm wird beim Snap der Ball vom Center zugespielt und damit der Spielzug eröffnet. Handelt es sich um ein Laufspiel, übergibt der Quarterback den Ball an einen seiner Running Backs. Es kommt auch schon einmal vor, dass der Ball bei einem Trickspielzug einem im Backfield kreuzenden Wide Receiver für ein Laufspiel übergeben wird. Schließlich kann der Quarterback eine Ballübergabe auch nur antäuschen und dann selbst mit dem Ball laufen, um Raumgewinn und/oder einen Touchdown zu erzielen.

Für die Zuschauer besonders spektakulär sind die Passspielzüge. Hier versuchen die Passempfänger festgelegte und abgesprochene Passrouten zu laufen und der Quarterback wirft im richtigen Moment den Ball auf den jeweiligen Receiver. Passempfänger sind in der Regel die Wide Receiver und der Tight End. Es gibt aber auch Angriffsspielzüge, in denen der Running Back eine Passroute läuft und als weiterer Passempfänger fungiert.

Running Backs

Es gibt zwei Typen von Running Backs: der Halfback und der Fullback. In der Regel fungiert der Fullback als Vorblocker für den des Halfback bei einem Laufspielzug. Das muss aber nicht unbedingt so sein. Auch der Fullback kann den Ball übergeben bekommen und mit diesem dann möglichst weit in Richtung Endzone des Gegners laufen. Bei Passspielzügen können die Running Backs auch Passrouten laufen und als Receiver fungieren. Auch hier wird dies – wenn überhaupt – vornehmlich der Half Back tun. In vielen Angriffsspielzügen durch die Luft müssen die Running Backs aber auch zusätzliche Blockarbeit zum Schutz des Quarterbacks leisten.

Die Wide Receiver

Wie bereits im vorangegangenen Absatz erwähnt, sind die Wide Receiver vornehmlich die Passempfänger der Offense. Sie laufen bestimmte Passrouten, die in exakt ausgetüfftelten Spielzügen festgelegt sind und fangen die Pässe des Quarterback. Im besten Falle gelingt es ihnen nach dem Fangen noch ein gutes Stück mit dem Ball zu laufen, bevor sie von einem gegnerischen Spieler gestoppt werden. Bei einem Laufspielzug müssen Wide Reveiver aber auch blocken.

Offense Formations

Die Offense stellt sich nicht immer so auf, wie in der Abbildung oben gezeigt. Es gibt unzählige Formationen, die sich auch im auflaufenden Personal unterscheiden. Gleich bleibt, dass sich in der Offense immer die fünf Spieler der O-Line aufstellen und ein Quarterback aufläuft. Dann kann es aber variieren. Nicht selten verzichtet man auf den Fullback und bringt statt dessen drei Wide Receiver oder ein zusätzlicher Tight End. So lassen sich gefühlt unendlich viele Aufstellungen realisieren. Hierauf in diesem Artikel näher einzugehen, würde den Rahmen sprengen, denn dies füllt inzwischen Bibliotheken (und das ist nicht sprichwörtlich gemeint).

über

Auf rockxx.de blogge ich über Themen, die mich als Blogger & WordPress Nerd, Anhänger der Roten Teufel und Fan des American Football interessieren und bewegen. In jedem Fall tue ich hier meine Meinung kund und dies auch manchmal mit »zwinkerndem Auge«. Fühle Dich frei, meine Beiträge zu kommentieren und zu teilen.

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