Wenn Du aus den engen Bahnen der Designvorgaben Deines bewährten und geliebten WordPress Themes ausbrechen möchtest, dann musst Du Dich nicht zwangsläufig und weinenden Herzens davon verabschieden. Es gibt eine andere Möglichkeit, Deine mit WordPress betriebene Homepage mit größerer gestalterischer Freiheit auszustatten, nämlich auf einen sogenannten Page Builder zu setzen. Derer gibt es inzwischen viele und Du hast die Qual der Wahl. Wenn Du dabei auf kostenlose Lösungen zurückgreifen möchtest, dann ist vielleicht der Elementor eine interessante Alternative, denn die kostenfreie Version dieses Frontend Page Builders kommt bereits mit einem üppig bestückten Werkzeugkasten daher. Ich habe mir diesen Page Builder von Pojo mal etwas genauer angeschaut und berichte in diesem Artikel über meine Erfahrungen.

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Der Elementor ist ein kostenfreies und der Elementor Pro ein kostenpflichtiges WordPress-Plugin von Pojo Me Digital. Der nachfolgende Beitrag stellt meine persönliche Meinung im Sinne eines Erfahrungsberichts und keine Produkt- und/oder Kaufempfehlung dar. Ich habe die kostenpflichtige Version zum handelsüblichen Preis selbst erworben. Über dieses normale Kundenverhältnis hinaus stehe ich in keiner geschäftlichen Beziehung zum Hersteller.

Was ist ein Page Builder?

Jeder kennt und verwendet den WordPress Editor. Mit diesem und einem passenden Theme lassen sich bereits ansprechende Seiten erstellen. Für die meisten Inhalte, die man auf seiner Homepage veröffentlichen möchte, reicht der WordPress Editor eigentlich völlig aus, nicht zuletzt, wenn man seine Homepage als ein klassisches Blog betreibt. Aber was, wenn man gestalterisch mal mehr machen möchte als die Werkzeuge des hauseigenen WordPress Editors und/oder des genutzten Themes hergeben? An diesem Punkt kommen dann die Page Builder ins Spiel. Ohne Kenntnisse in der Programmierung bzw. Codierung von Homepages zu haben, öffnet ein Page Builder dem in solchen Sachen Unbefleckten die große weite Welt des Homepagedesigns jenseits der engen Grenzen von Theme und WordPress Editor.

Der Elementor Page Builder

Den Elementor Page Builder von Pojo gibt es als Plugin in einer kostenfreien und in einer kostenpflichtigen Version. Laut Angaben des Entwicklers funktioniert der Elementor mit jedem handelsüblichen WordPress Theme.

In diesen Beitrag beziehe ich mich auf die kostenfreie Version des Elementor Page Builder Plugin (Version 1.0.3 unter WordPress 4.7). Auf die zusätzlichen Funktionen der Premium Version gehe ich weiter unten nur kurz ein. Du kannst Dir das kostenlose Plugin ganz einfach aus der Bibliothek von WordPress installieren.

Screenshot: Das Elementor Page Builder Plugin via WordPress Bibliothek installieren

Wie Du unschwer erkennen kannst, ist das Elementor Page Builder Plugin mit über 30.000 aktiven Installationen ein sehr beliebtes Plugin. Und was ein mindestens genauso wichtiges Kriterium für ein sehr gutes WordPress Plugin darstellt: Der Elementor Page Builder wird regelmäßig gewartet und mit Updates versorgt, so dass er stets kompatibel mit der aktuellsten WordPress-Version ist und bleibt. Nur zur Info: Die Drittanbieter Addons sind nicht Teil meines Erfahrungsberichts.

Nach der Installation erscheint im WordPress Editor ein großer Button. Möchtest Du nun eine Seite oder einen Beitrag mit dem Elementor Page Builder gestalten, rufst Du diesen über den besagten Button auf. Du kannst aber auch nach wie vor Seiten und Beiträge im normalen WordPress Editor erstellen und gestalten. Nur das Hin-und-Her-Wechseln zwischen dem Elementor und dem WordPress Editor bei der Erstellung einer Seite oder eines Beitrags würde ich nicht unbedingt empfehlen, denn hier besteht die Gefahr, dass Gestaltungselemente verloren gehen könnten. Bis zur Version 1.0.0 war das auch de facto so. Mittlerweile scheint es so zu sein, dass beim Wechseln vom Elementor zum WordPress Editor die mit dem Elementor hinzugefügten Gestaltungselemente nicht verschwunden sind, wenn man dann erneut vom WordPress Editor wieder in den Elementor zurückwechselt.

Update 23.12.2016

Mit der Version 1.0.6 werden bei einem Wechsel zurück in den klassischen WordPress Editor alle wesentlichen Inhalte übernommen. Lediglich das Layout der Inhalte verschwindet. Dabei bleibt auch kein „Shortcode-Massaker“ zurück. Wechselst Du dann erneut in den Frontend Editor des Elementor, ist auch das Layout wiederhergestellt, vorausgesetzt, Du hattest nach dem Wechsel in den klassischen WordPress Editor nichts an der Seite bzw. dem Beitrag verändert.

Was ich ausdrücklich noch nicht ausprobiert habe ist, wie es sich verhält, wenn der Elementor deaktiviert und deinstalliert wird. Aus diesem Grund bleibe ich bei meiner Grundaussage von oben und auch in meinem Fazit weiter unten, dass Du Dir den Einsatz von Elementor gut überlegen solltest. Wenn Du Dich für den Elementor entscheidest und damit Seiten und Beiträge gestaltest, dann machst Du Dich bzw. Deine Homepage ein gutes Stück von diesem Page Builder abhängig. Dieser Aspekt bezieht sich allerdings nicht ausschließlich auf den Elementor, sondern ist ein grundsätzlicher Sachverhalt, der vor dem Einsatz eines Page Builders überdacht werden sollte.

Frontend Page Builder

Jeder kennt das Procedere: Man schreibt und gestaltet seine Blogbeiträge oder statische Seiten im Backend, speichert ab und betrachtet sich die Zwischenstände mittels der Beitragsvorschau. Dann wechselt man wieder in das Backend zurück, um weiterzuarbeiten. Mit Elementor ist dieser z. T. umständliche Workflow vorbei, denn der Elementor ist ein sogenannter Frontend Page Builder. Was heißt das?

Screenshot: Elementor in Aktion

Anstatt ständig zwischen Backend und Frontend hin und her zu wechseln, arbeitest Du mit Elementor im Frontend des Beitrags oder der Seite und siehst sofort, wie das, was Du gerade gestaltest, aus der Perspektive Deiner Besucher aussieht. Das ist natürlich besonders praktisch, wenn es um aufwendiger gestaltete Beiträge und Seiten geht, ein echtes Highlight des Elementor Page Builder.

Selbst bei etwas kleineren Laptop- oder Notebookbildschirmen funktioniert der Frontend Page Builder sehr gut. Wenn man mal etwas mehr Bewegungsfreiraum im Bearbeitungsmenü benötigt, lässt sich dieses bis zur Hälfte der Bildschirmbreite erweitern. Und wenn man mal einen schnellen und freien Blick auf das Frontend benötigt, lässt das Menü sich auch mit einem schnellen Klick verbergen.

Abschnitte, Spalten und Inhaltselemente

Bei der Gestaltung einer Seite oder eines Beitrags mit Elementor beginnt alles damit, einen neuen Abschnitt zu erzeugen. Dabei kannst Du zwischen verschiedenen Spaltendesigns wählen und dem Abschnitt damit eine Grundstruktur geben. Dann ziehst Du einfach die Elemente Deiner Wahl in die entsprechenden Spalten.

Screenshot: Abschnitte und Elemente hinzufügen

Inhaltselemente

Die kostenfreie Version des Elementor Plugins kommt bereits mit einer bemerkenswerten Anzahl von Inhaltselementen daher. Das ist wirklich sehr beeindruckend für ein Plugin in der Bibliothek von WordPress, welches – und seien wir ehrlich 😉 – eigentlich auf die kostenpflichtige Version aufmerksam und diese den Usern schmackhaft machen möchte.

Ich kann an dieser Stelle nicht auf alle Inhaltselemente eingehen. Es sind einfach zu viele. Aber erwähnen möchte ich noch, dass nicht nur die Inhaltselemente des Elementor zur Verfügung stehen, sondern auch alle Deine sonstigen Widgets, die Du installiert hast und noch installieren wirst. Mit Elementor hast Du somit die Möglichkeit, solche Widgets nicht nur in der Sidebar oder im Footer zu platzieren, sondern überall, wo Du willst.

Hast Du eines der Inhaltselemente in einen Abschnitt bzw. eine Spalte gezogen, findest Du im Bearbeitungsmenü alle Funktionen, das Element zu bearbeiten. Und wie bereits geschrieben, siehst Du die Effekte Deiner Bearbeitungsschritte unmittelbar und ohne vorheriges Abspeichern im Frontend. Das erleichtert und beschleunigt die Arbeit an aufwendiger zu gestaltenden Seiten und Beiträgen enorm.

Screenshot-Collage: Die Inhaltselemente des Elementor Plugins (kostenfreie Version, Stand Dez. 2016)

Nur erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass Du in der kostenpflichtigen Premium Version des Elementor Page Builder noch folgende Inhaltselemente hinzu bekommst (Version 1.0.3; Stand: 12/2016): Forms, Slides, Posts, Portfolio, Woo Commerce, Price Table, Countdown und Pricing. Außerdem bekommst Du noch einige Seiten- und Beitragsvorlagen dazu, die nicht in der kostenfreien Variante enthalten sind. Die Entwickler kündigen weitere Elemente für die Premium Version mit den kommenden Updates an.

Vorlagen

Mindestens genauso erstaunlich und bemerkenswert wie die große Zahl an Inhaltselementen ist die üppige Sammlung an Vorlagen, die bereits die kostenfreie Version des Elementor zu bieten hat. Und die Entwickler fügen regelmäßig neue Vorlagen hinzu. Diese Vorlagen bieten einen guten Ausgangspunkt für die Erstellung und Gestaltung von Seiten und Beiträgen. So musst Du nicht unbedingt „from the scratch“ beginnen, sondern wählst eine der Vorlagen und passt diese Deinen Vorstellungen an. Selbstverständlich bietet der Elementor Dir die Möglichkeit, eigene Vorlagen zu erstellen und zu speichern.

Screenhot: Vorlagen im Elementor

Dabei kannst Du nicht nur ganze Seiten- und/oder Beitragsdesigns als Vorlage für eine spätere Verwendung speichern, sondern auch einzelne Spalten- und/oder Abschnitte. Alle selbst erstellten Vorlagen lassen sich auch problemlos exportieren und in eine andere WordPress Installation importieren.

Responsive Modus

Ein letztes Feature von Elementor möchte ich noch erwähnen, da ich es für besonders nützlich erachte: der Responsive Modus und die Möglichkeit, für unterschiedliche Bildschirmgrößen der verschiedenen Devices (Desktop, Tablet, Smartphone) jeweils zugeschnittene Designvorgaben festzulegen. In Zeiten, wo der Zugriff auf das Internet mit Smartphone, Tablet und Co. beständig zunimmt, ist eine solche Funktion für Homepagegestalter Gold wert.

Screenshot: Der Responsive Modus im Elementor

Im Bearbeitungsmenü der jeweiligen Inhaltselemente findest Du dann die Einstellungsmöglichkeiten für die jeweiligen Devices bis hin zur Funktion, einzelne Inhaltselemente für ein oder mehrere Devices ganz auszublenden.

Mein Fazit zum Elementor Page Builder

Es ist beeindruckend, was der Elementor Page Builder in seiner kostenfreien Version schon alles mitbringt. Aber der Funktionsumfang ist bei diesem Plugin längst noch nicht alles. Mit dem Elementor geht die Gestaltung von anspruchsvollen Seiten und Beiträgen sehr leicht und selbsterklärend aus der Hand, so dass es ohne größeren Aufwand auch Nutzern ohne Programmierkenntnisse gelingt, aufwendigere Seiten und Blogbeiträge zu arrangieren. Beim ausgiebigen Testen der kostenfreien Version des Elementor Page Builder ist mir lediglich ein Problem aufgefallen, welches ich gleich zu Beginn meines Fazits erläutern möchte.

Das Problem mit dem »More Tag«

Offensichtlich hat der Elementor ein Problem mit dem manuell in einen Beitrag eingefügten »More Tag«. Dieser More Tag funktioniert nicht, insofern er in einem mit dem Elementor gestalteten Blogbeitrag eingefügt worden ist. Es scheint auch offensichtlich zu sein, dass es nicht nur mir so ergangen ist, wie eine ausführlichere Diskussion dieses Problems auf Github zeigt. Leider ist dieser Diskussion auch zu entnehmen, dass dieser Bug laut Auskunft des Entwicklers ein größeres Problem darstellt und nicht auf die Schnelle zu beheben sei.

Behelfen kann man sich damit, im verwendeten Theme, sofern möglich, die Beiträge auf der Blogfeed Seite als Auszüge (Excerpts) darstellen zu lassen. Für Blogger, die für diese Auszüge auf der Blogfeed Seite eigene Teaser schreiben, ist das allerdings nur dann ein Behelf, wenn das Theme zur Darstellung der Auszüge auf das entsprechende Feld im Backend des Beitrags zurückgreift. Wird dies nicht durch das verwendete Theme unterstützt, wird ein Excerpt automatisch generiert, wobei man dann lediglich die Länge mit einem allgemeinen Wert festlegen kann. Das Problem: Nicht jeder Teaser lässt sich exakt auf diesen Zielwert formulieren. Und wenn dieser Wert nicht eine Anzahl von Wörtern, sondern von Zeichen definiert, ist es praktisch unmöglich.

Da es sich bei dem Elementor um ein noch »junges« Plugin handelt und die Entwickler wirklich sehr emsig arbeiten (das zeigen die vielen schnellen Updates zur Behebung kleinerer Bugs), darf darauf gehofft werden, dass in absehbarer Zeit dieses Problem behoben werden wird. Außerdem muss hier auch zugunsten der Entwickler gesagt werden, dass dieses Problem mit dem »More Tag« kein genuines Problem des Elementor darstellt, sondern so manch andere Page Builder damit auch seine Schwierigkeiten hat.

Üppiger Funktionsumfang und kleiner Ressourcenhunger

Sicherlich, der Einsatz von Page Builder ist in professionellen Kreisen nicht unumstritten. Jenseits diverser Eitelkeiten einzelner Diskutanden, lassen sich durchaus handfeste Argumente gegen den Einsatz von Page Builder ins Felde führen. Eines dieser Argumente: Mächtige Plugins mit einem üppigen Funktionsumfang benötigen Ressourcen, was eine WordPress Installation performancetechnisch beeinträchtigen kann. Was nützt die schön und aufwendig gestaltete Homepage, wenn sie zu lange laden muss und u.a. deshalb kaum bzw. ungern besucht wird? Der Elementor tritt solchen Argumenten allerdings mit einer sehr guten Performance trotz seines Funktionsumfangs entgegen. Jedenfalls ist mir beim Testen kein spürbarer Performanceverlust aufgefallen.

Respekt vor dem Code des Themes

Für den Blick »unter die Motorhaube« des Plugins fehlen mir die Kompetenzen in Sachen Programmierung. Deshalb verweise ich an dieser Stelle mal auf ein Review eines Kundigen: Schenkt man dem Webdesigner Alessandro Castellani Glauben, so ist der Elementor Page Builder sehr gut programmiert. In seinem Review betont er ausdrücklich, dass das Plugin auch aus der Sicht von Programmierern, die bekanntlich besonderen Wert auf einen sauberen Code legen, in höchsten Tönen zu loben sei. Auch, dass das Plugin den Code der Homepage bzw. des Themes der Homepage äußerst pfleglich behandeln und respektiert würde, schätzt Castellani sehr.

Alles in Allem hat mich der Elementor Page Builder rundum überzeugt. Er bietet bereits in seiner kostenfreien Version alles, was man für eine anspruchsvolle Gestaltung von Seiten und Beiträgen benötigt, ist einfach und schnell zu bedienen, liefert eine tadellose Performance und scheint dabei nicht allzu hungrig nach den knappen Ressourcen zu sein. Was will man mehr?

Wer braucht einen Page Builder?

Ich hatte bereits bei meiner Vorstellung des Visual Composer darauf hingewiesen, dass es gut überlegt sein sollte, ob man einen Page Builder unbedingt braucht. Wenn Du ein klassisches Blog betreibst, wo es ausschließlich auf das geschriebene Wort ankommt, wirst Du Dich wahrscheinlich weniger für einen Page Builder interessieren. Trotzdem könnte es sich auch für den klassischen Blogger lohnen, einmal einen Blick zu riskieren.

Abgesehen von dem beschriebenen Problem mit dem More Tag, hat mich der Elementor Page Builder überzeugt. Er bietet bereits in seiner kostenfreien Version alles, was man für eine anspruchsvolle Gestaltung von Seiten und Beiträgen benötigt, ist einfach und schnell zu bedienen, liefert eine gute Performance und scheint dabei nicht allzu hungrig nach den knappen Ressourcen zu sein.

Was hast Du für Erfahrungen mit dem Elementor Page Builder gemacht?

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