MIDI-Steuerung des AMP 1 mit dem HX Effects


Der AMP 1 aus dem Hau­se von BluGui­tar und das HX Effects von Line 6 ist eine nahe­zu per­fek­te Kom­bi­na­ti­on für ein kom­pak­tes Pedal­board. Dabei lässt sich das HX Effects via MIDI zur Steu­er­zen­tra­le des Rigs machen. Wie das geht, habe ich in die­sem Arti­kel beschrieben.

Eine für mich kon­ge­nia­le Kom­bi­na­ti­on für ein kom­pak­tes Pedal­board-Rig ist der BluGui­tar AMP 1 zusam­men mit dem HX Effects von Line 6. Wie ich die bei­den Gerä­te mit der soge­nann­ten „4‑Ca­ble-Method“ ver­bun­den habe, erläu­ter­te ich bereits in einem frü­he­ren Bei­trag. In die­sem Arti­kel möch­te ich mich der MIDI-Steue­rung des AMP 1 mit dem HX Effects wid­men. Sinn und Zweck des Gan­zen ist, mit nur einem „Klick“ die Pre­sets oder Snapshots am HX Effects und gleich­zei­tig die Kanä­le des AMP 1 zu wech­seln. Neben sol­chen „Pro­gram-Chan­ge-Befeh­len (PC)“ kön­nen vom HX Effects auch soge­nann­te „Con­trol-Chan­ge-Befeh­le (CC)“ an den AMP 1 gesen­det wer­den, um bei­spiels­wei­se die „Gain“-Einstellung des AMP 1 zu ändern oder auf die Funk­tio­nen des „zwei­ten Mas­ter“ oder der „Power Soak“ zuzu­grei­fen. Damit wird das HX Effects zur ulti­ma­ti­ven Steu­er­zen­tra­le mei­nes Pedalboards.

Verkabelung

Einen „klas­si­schen“ MIDI-Anschluss sucht man am AMP 1 ver­ge­bens. Zur Ver­ka­be­lung wird ein spe­zi­el­ler Adap­ter von BluGui­tar benö­tigt. Dabei han­delt es sich nicht um einen „ollen“ 5‑Pin-MIDI-auf-Klin­ke-Ste­cker, son­dern in dem Adap­ter ist noch eine Men­ge Tech­nik ent­hal­ten, was den ver­gleichs­wei­se höhe­ren Preis erklärt. Güns­ti­ge­re Alter­na­ti­ven von Dritt­an­bie­tern sind mir nicht bekannt. Jeden­falls wird mit die­sem Adap­ter der MIDI-Aus­gang des HX Effects mit dem Footswitch/Remote 1 Anschluss des AMP 1 verbunden.

Die „MIDI-Learn“-Funktion des AMP 1 und die Programmierung von PC-Befehlen

Die Pro­gram­mie­rung von Pro­gram-Chan­ge-Befeh­len (PC-Befeh­len) ist denk­bar ein­fach. Man stellt sich am AMP 1 den gewünsch­ten Kanal ein, akti­viert ggf. noch den Boost und/oder das Reverb. Dann drückt und hält man die Boost-Tas­te bis die Reverb-Tas­te blinkt und sen­det dann den MIDI-Befehl durch Betä­ti­gen der gewünsch­ten Tas­te am HX Effects. Die­ser Tas­te am HX Effects muss natür­lich vor­her eine PC-Befehl-Num­mer zuge­ord­net wer­den. Wie das geht, erklä­re ich wei­ter unten.

Ins­ge­samt ste­hen für die MIDI-PC-Befeh­le 128 Plät­ze (Num­mern) zur Ver­fü­gung. Für die vier Kanä­le des AMP 1 ein­schließ­lich diver­ser Kom­bi­na­tio­nen mit ein- oder aus­ge­schal­te­tem Boost und/oder Reverb sind das mehr als genug. Bei der Zuwei­sung eines PC-Befehls könn­te man natür­lich der Rei­he nach von 0 bis (theo­re­tisch) 127 vor­ge­hen. Das wird aber ziem­lich schnell unüber­sicht­lich. Hier ist ein sys­te­ma­ti­sches Vor­ge­hen wesent­lich prak­ti­ka­bler. Ich per­sön­lich habe mich von einer Idee von Nathan McFar­land inspi­rie­ren las­sen, die Nathan in Fol­ge 17 der Aca­de­my Of Tone Rei­he auf dem BluGui­tar You­Tube-Chan­nel im Inter­view mit Tho­mas Blug vor­ge­stellt hat­te (auf dem You­Tube-Kanal von Nathan fin­den sich noch mehr inspi­rie­ren­de Vide­os rund um die Kom­bi AMP 1 und HX Effects).

Für mei­nen Kon­text benö­ti­ge ich den wahl­wei­sen Zugriff auf alle vier Kanä­le des AMP 1 jeweils in der Kom­bi­na­ti­on mit ein- oder aus­ge­schal­te­tem Boost. Das Reverb des AMP 1 ver­wen­de ich nicht. Dem­entspre­chend benö­ti­ge ich acht Plät­ze (Num­mern) von PC-Befeh­len, die (in Anleh­nung an die Idee von Nathan McFar­land) wie folgt aussehen:

  • PC Nr. 10: Clean ohne Boost
  • PC Nr. 15: Clean mit Boost
  • PC Nr. 20: Vin­ta­ge ohne Boost
  • PC Nr. 25: Vin­ta­ge mit Boost
  • PC Nr. 30: Clas­sic ohne Boost
  • PC Nr. 35: Clas­sic mit Boost
  • PC Nr. 40: Modern ohne Boost
  • PC Nr. 45: Modern mit Boost.

Der Vor­teil die­ser sys­te­ma­ti­schen Vor­ge­hens­wei­se ist, dass man es sich gut bzw. bes­ser mer­ken kann. Mit 10, 20, 30 und 40 wer­den die vier Kanä­le des AMP 1 ange­steu­ert und der jewei­li­ge Fün­fer­schritt dazwi­schen schal­tet den Boost mit dazu.

Die Zuweisung von PC-Befehl-Nummern auf Tasten am HX Effects

Kurz zusam­men­ge­fasst: Der AMP 1 emp­fängt die PC-Befeh­le vom HX Effects und das HX Effects sen­det die PC-Befeh­le durch die Betä­ti­gung eines sei­ner Tas­ter, sofern die­sem Tas­ter eine PC-Befehl-Num­mer zuge­wie­sen ist. So weit, so gut. Aber wie wei­se ich einem Tas­ter des HX Effects eine PC-Befehl-Num­mer zu?

Zunächst muss man das Pre­set auf­ru­fen, wel­ches einen PC-Befehl sen­den soll. Hat man das Pre­set aus­ge­wählt, drückt man den But­ton mit den drei über­ein­an­der lie­gen­den Lini­en (den „Ham­bur­ger-But­ton“) und wählt anschlie­ßend „Com­mand Center“. 

Nun muss man zunächst die Steue­rungs­quel­le wäh­len. Für MIDI-Steue­rung ste­hen ins­ge­samt sechs „Plät­ze“ zur Ver­fü­gung (Instant 1 — 6), die als Blitz­sym­bo­le im ers­ten unte­ren Scribb­le Strip dar­ge­stellt wer­den. Ich ver­wen­de für die PC-Befeh­le immer „Instant 1“ und hal­te „Instant 2“ für die CC-Befeh­le vor (dazu wei­ter unten mehr).

Command-Center HX Effects
Das „Com­mand-Cen­ter“ im HX Effects: Aus­wahl der Steu­er­quel­le (hier MIDI Instant 1), des Befehls­typs (hier: Bank PC) und des MIDI Chan­nels (hier 1).

Dann setzt man den Befehls­typ (Commnd) für PC-Befeh­le auf „BankPC“ und den MIDI-Chan­nel (MIDI Ch) auf „1“, denn der AMP 1 kann aus­schließ­lich auf dem MIDI-Kanal 1 empfangen.

Command-Center HX Effects
Das „Com­mand-Cen­ter“ im HX Effects: Aus­wahl der MIDI-Pro­gramm-Num­mer (hier 35).

Durch Betä­ti­gen der Pfeil­tas­te nach rechts gelangt man im zwei­ten Scribb­le Strip der oben Rei­he auf die zwei­te Sei­te, wo man schließ­lich die MIDI-Pro­gramm-Num­mer (Prog) fest­legt. Im Bei­spiel ver­wen­de ich die Num­mer „35“, was mei­nem oben erläu­ter­ten Sys­tem fol­gend am AMP 1 den Clas­sic-Chan­nel mit Boost anwählt.

Voi­la! Wich­tig: Das Spei­chern nicht ver­ges­sen!

Damit ist am HX Effects soweit alles ein­ge­stellt und vor­be­rei­tet. Jetzt muss der AMP 1 die­sen PC-Befehl noch „ler­nen“ (s. oben: Die „MIDI-Learn“ Funk­ti­on des AMP 1). Bevor man den AMP 1 in den „MIDI-Learn“ Modus ver­setzt, muss man am HX Effects zuerst ein Pre­set auf­ru­fen, wel­ches den soeben pro­gram­mier­ten PC-Befehl nicht (!) sen­det. Erst dann drückt und hält man am AMP 1 die Boost-Tas­te bis die Reverb-Tas­te blickt und betä­tigt jetzt am HX Effects jenen Tas­ter, auf dem das soeben pro­gram­mier­te Pre­set abge­legt ist. Die Reverb-Tas­te am AMP 1 müss­te auf­hö­ren zu blin­ken und wenn alles geklappt hat, wird am AMP 1 durch die Betä­ti­gung der Pre­set-Tas­te am HX Effects künf­tig der gewünsch­te Chan­nel aufgerufen. 

Das alles funk­tio­niert am HX Effects nicht nur mit den Pre­sets, son­dern auch mit den soge­nann­ten Snapshots auf die glei­che Wei­se. Um sol­che PC-Befeh­le einem Snapshot zuzu­ord­nen, muss die soeben beschrie­be­ne Ver­fah­rens­wei­se ein­fach nur im Snapshot-Modus durch­ge­führt werden.

Die Belegung der MIDI-CC-Nummern am AMP 1

Wie schon kurz ange­spro­chen, ist der AMP 1 nicht nur emp­fäng­lich für die oben aus­führ­lich bespro­che­nen Pro­gram-Chan­ge-Befeh­le (PC-Befeh­le), mit denen man die ein­zel­nen Kanä­le des AMP 1 auf­ru­fen kann. Dar­über hin­aus ver­steht der AMP 1 auch soge­nann­te Con­trol-Chan­ge-Befeh­le (CC-Befeh­le). Das kann nicht jeder MIDI-fähi­ge Amp. Hier hat Herr Blug sei­nem AMP 1 wirk­lich eine beson­ders genia­le, da extrem nütz­li­che Funk­ti­on ver­passt, womit der AMP 1 her­aus­ra­gend sound-fle­xi­bel wird. Was das kon­kret heißt bzw. wozu das von Vor­teil ist, erläu­te­re ich wei­ter unten an einem Bei­spiel. Die Tat­sa­che, dass das HX Effects wie­der­um in der Lage ist, CC-Befeh­le zu sen­den, macht die Kom­bi­na­ti­on mit dem AMP 1 u. a. so beson­ders inter­es­sant. Denn nicht jedes Mul­ti-Effekt-Gerät kann sol­che CC-Befeh­le senden.

Im Unter­schied zu den PC-Befeh­len sind die Num­mern der CC-Befeh­le im AMP 1 fest vor­ge­ge­ben. Die Bele­gung der MIDI-CC-Num­mern am AMP 1 sieht wie folgt aus (sie­he auch S. 37 im Manual):

  • CC Nr. 007: zwei­ter Master
  • CC Nr. 020: Gain / Clean Volume
  • CC Nr. 030: Power Soak
  • CC Nr. 040: FX Loop
  • CC Nr. 050: Reverb
  • CC Nr. 060: Boost.

Wäh­rend die CC Num­mern 007 für den zwei­ten Mas­ter, 020 für Gain und Clean Volu­me sowie 030 für die Power Soak Wer­te bzw. Abstu­fun­gen zwi­schen 0–127 ver­ar­bei­ten kön­nen, sind die CC Num­mern 040 für den FX Loop, 050 für das Reverb und 060 für den Boost im Sin­ne von „an/aus“ zwei­wer­tig. Der auf­merk­sa­me Leser wird jetzt wahr­schein­lich ein­wen­den: „Moment mal. Eben wur­de doch beschrie­ben, wie ich den Boost und das Reverb mit Hil­fe der PC-Befeh­le steu­ern kann. Was ist jetzt der Unter­schied zur Steue­rung via CC-Befehl?“ Nun, dadurch dass ich den Boost, das Reverb und auch den FX Loop mit­tels CC-Befehl an- bzw. aus­schal­ten kann, ist es mög­lich, ohne Pre­set-Wech­sel einen Tas­ter auf dem HX Effects für eine die­ser Funk­tio­nen zu pro­gram­mie­ren. Wer sein HX Effects lie­ber im „Stomp­box-Modus“ betreibt, wird hier beson­ders erfreut sein.

Die Zuweisung von CC-Befehlen auf Tasten am HX Effects

Die Bele­gung bzw. Zuwei­sung von CC-Befeh­len funk­tio­niert im Prin­zip so, wie soeben für die PC-Befeh­le erläu­tert. Aller­dings muss man am HX Effects für die Bele­gung bzw. Zuwei­sung eines CC-Befehls ein ande­res „MIDI-Instant“ ver­wen­den. Wenn man „Instant 1“ bereits für die PC-Befeh­le reser­viert hat, so wie ich das mache, dann käme für die CC-Befeh­le der Rei­he fol­gend „Instant 2“ in Betracht. 

Also wählt man im „Com­mand-Cen­ter“ des HX Effects zunächst „Instant 2“ und dann unter „Commnd“ für die CC-Befeh­le den Befehls­typ „MIDI CC“. Der MIDI-Chan­nel muss (!) wie­der der Kanal 1 sein, da der AMP 1 nur auf Kanal 1 emp­fan­gen kann. Unter der CC-Num­mer („CC-#“) muss jetzt jene gewählt wer­den, deren Para­me­ter man am AMP 1 ändern bzw. steu­ern möch­te. Als Bei­spiel neh­me ich hier ein­mal die Gain-Ein­stel­lung. Dafür wäh­le ich ent­spre­chend der oben vor­ge­stell­ten Lis­te die CC-Num­mer „20“ aus. Unter „Value“ muss dann jener Wert ein­ge­stellt wer­den, den man für das Gain ein­ge­stellt und auf­ge­ru­fen haben möch­te. Unter „Value“ las­sen sich am HX Effects Wer­te von „0“ bis „127“ ein­stel­len. Man kann sich das pro­zen­tu­al vor­stel­len, d. h. Value „0“ ent­spricht null Pro­zent und Value „127“ ent­spricht hun­dert Prozent.

Aber Obacht! Ent­schei­dend ist natür­lich, auf wel­cher Posi­ti­on der Gain-Reg­ler am AMP 1 steht. Mit einem CC-Value kann die Gain-Reg­ler-Posi­ti­on am AMP 1 nicht „über­schrie­ben“ im Sin­ne von „über­schrit­ten“ wer­den. Stellst Du am AMP 1 den Gain-Reg­ler auf „8“, dann ent­spricht eine CC-Value-Ein­stel­lung am HX Effects von „127“ die am Gain-Reg­ler des AMP 1 als Maxi­mal­wert ein­ge­stell­te Posi­ti­on, eben die besag­te „8“.

Hat man alle Ein­stel­lun­gen vor­ge­nom­men, soll­te man das Abspei­chern nicht ver­ges­sen. Anschlie­ßend muss der AMP 1 die ent­spre­chen­den Ein­stel­lun­gen mit­tels der „MIDI-Learn“-Funktion noch „ler­nen“. Hier­zu geht man vor, wie bereits oben bei den PC-Befeh­len beschrieben.

Eine anschau­li­che Erklä­rung fin­dest Du im You­Tube-Chan­nel von Nathan McFar­land in die­sem Video.

Viel Spaß & ROCK ON!

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