Smith/Kotzen Cover Gold

Smith/Kotzen

Die Spatzen pfeiften es schon länger von den Dächern, aber als es im Dezember letzten Jahres mit der Vorabveröffentlichung "Taking my Chances" tatsächlich wahr und offiziell wurde, konnte ich es fast nicht abwarten. Ende März war es dann soweit: das Debut von Smith/Kotzen.

Bereits in letz­tem Jahr – qua­si als frü­hes Weih­nachts­ge­schenk – flat­ter­te die Nach­richt bei mir ein, dass einer mei­ner per­sön­li­chen Gitar­ren-Heroes, nament­lich Adri­an Smith, ein neu­es Pro­jekt am Start habe und das mit kei­nem gerin­ge­rem als Richie Kot­zen. Für die­je­ni­gen, die die Kar­rie­re des Herrn Smith auch jen­seits sei­nes Wir­kungs­krei­ses bei bzw. mit Iron Mai­den auf­merk­sa­mer ver­fol­gen, war die Kol­la­bo­ra­ti­on der bei­den Her­ren kei­ne völ­li­ge Über­ra­schung. Denn dass die bei­den eng mit­ein­an­der befreun­det sind, konn­te man schon seit län­ge­rem in Erfah­rung brin­gen, wenn man die Social-Media-Kanä­le von Adri­an Smith ver­folgt. Dort gab es immer mal wie­der Hin­wei­se, dass die bei­den etwas aus­he­cken könnten.

Mit­te Dezem­ber war es dann soweit. Mit „Taking My Chan­ces“ wur­de die ers­te Sin­gle des Pro­jekts Smith/Kotzen ver­öf­fent­licht, zu sehen und hören auf dem offi­zi­el­len YouTube-Channel.

Einen guten Monat spä­ter, Ende Janu­ar 2021 folg­te dann das Release des offi­zi­el­len Vide­os zu „Taking My Chan­ces“. Am Ende des Vide­os und auch in der Beschrei­bung wur­de es dann unmiss­ver­ständ­lich klar: Es ist ein gan­zes Album! Ver­öf­fent­licht wird (bzw. wur­de) es am 26.03.2021. Ich konn­te natür­lich nicht wider­ste­hen und habe mir sofort eine limi­tier­te Ver­si­on samt unter­schrie­be­ner Kar­te und T‑Shirt vorbestellt.

Mit ech­ten und nicht auf­ge­druck­ten Unter­schrif­ten. Yeah!

Dann ging es Schlag auf Schlag. Mit »Scars« und »Run­ning« folg­ten vor Release des Albums noch zwei wei­te­re Vorabauskopplungen.

Auf der eigens ein­ge­rich­te­ten Home­page erfährt man dann noch eini­ge Details zum Album selbst. Auf­ge­nom­men wur­de es auf den Turks & Cai­cos Inseln, süd­öst­lich der Baha­mas (jep, muss­te ich goog­len), pro­du­ziert von den bei­den Her­ren selbst, abge­mischt vom Haus- und Hof­mi­scher der Eiser­nen Jung­frau­en Kevin Shirley.

Ins­ge­samt neun Titel befin­den sich auf dem Album. Bei eini­gen haben diver­se Gäs­te mit­ge­wirkt, so Nicko McBrain an den Drums bei „Solar Fire“. Bei drei Songs („You Don’t Know Me“, „I Wan­na Stay“ und „‘Til Tomor­row“) saß Richie’s Tour-Drum­mer Tal Berg­man hin­ter der Schieß­bu­de; bei den rest­li­chen fünf trom­mel­te Richie dann selbst. Die Vocals und den Bass haben sich Adri­an und Richie geteilt.

Pünkt­lich zum Release­da­te, sogar einen Tag frü­her, tru­del­te dann Post aus Eng­land bei mir ein.

Überrascht oder irgendwie doch nicht

Dem gestan­de­nen Fan der Eiser­nen Jung­frau­en wird schon beim Hören der Vor­ab­ver­öf­fent­li­chun­gen eines völ­lig klar gewor­den sein: Kein ein­zi­ger Song die­ses Albums erin­nert auch nur annä­hernd an Mai­den und mit Metal hat das alles nichts zu tun. Wer also mit ent­spre­chen­den Erwar­tun­gen an Smith/Kotzen her­an­tritt, wird wohl ent­täuscht wer­den bzw. sein.

Das Debut der Her­ren Smith und Kot­zen ist viel­mehr blue­si­ger Clas­sic Rock, allen­falls mit Hard­rock Anlei­hen und kommt damit eher nach Richie‘s bis­he­ri­gen Wer­ken als nach Adri­ans krea­ti­vem Schaf­fen bei und mit Iron Mai­den. Blickt man aber auf Adri­ans frü­he­re Solo­pro­jek­te zurück (A.S.A.P. und Psy­cho Motel), so kann man um sei­nen sti­lis­ti­schen Abstand zu Iron Mai­den wis­sen, wenn er mal nicht unter der Fuch­tel eines Ste­ve Har­ris steht. Und ist er dann mal los­ge­las­sen, so zeigt sich Adri­ans sti­lis­ti­scher Facet­ten­reich­tum auf gan­zer Linie. Selbst die bei­den Alben mit Psy­cho Motel, die im Ver­gleich zu »Sil­ver and Gold« von A.S.A.P. zwei­fels­oh­ne im Metal­gen­re behei­ma­tet sind, unter­schei­den sich grund­le­gend von Iron Mai­den. Dass nun eine Zusam­men­ar­beit mit Richie Kot­zen eine wei­te­re, bis­her unent­deck­te Sei­te des Adri­an Smith ans Tages­licht beför­dern wür­de, war abzusehen.

Ein Hörprotokoll

Taking my Chan­ces ist der groo­vi­ger Rocker als Ope­ner und ers­te Sin­gle­aus­kopp­lung des Albums. Da stimmt ein­fach alles. Catchy Refrain, top Soli, tol­ler Groo­ve … perfekt!

Run­ning fängt für mich erst mit dem Cho­rus an zu leben. Trotz der Tat­sa­che, dass der Song als drit­te Aus­kopp­lung schon eini­ge Zeit vor Erschei­nen des Albums wir­ken konn­te, funk­tio­niert er bei mir erst nach wie­der­hol­tem Anhören.

Scars ist die zwei­te Sin­gle­aus­kopp­lung vor dem Release des Albums. Eine blue­si­ge Bal­la­de mit abso­lut gei­len Fills und Solo­pas­sa­gen sowie her­aus­ra­gen­den Vocals von bei­den Her­ren. Für mich eines der High­lights des Albums.

Some Peop­le pät­schert ein wenig dahin und will bei mir nicht so rich­tig durch­zün­den. Kommt erst im instru­men­ta­len Teil und den Soli rich­tig bei mir an, um dann wie­der abzu­fla­chen. Scha­de! Der schwä­che­re Song des Albums.

Glo­ry Road ist ein Blues­ro­cker wie er im Buche steht. Die Vocals sind über­ra­gend! Erin­nert mich vom Vibe ein biss­chen an Glenn Hug­hes. Ein tol­ler Mit­sing-Refrain und die Soli und Fills sind her­aus­ra­gend. Ein wei­te­res Highlight.

Solar Fire lie­fert den Up-Tem­po-Rocker des Albums und der Mai­den-Ken­ner hört sofort, wer da hin­ter den Drums sitzt, näm­lich kein gerin­ge­rer als Mr. Nicko McBrain. Eine Grund­so­li­de Num­mer, die mir gefällt.

You don‘t know me: kommt als eine schlep­pend bal­la­des­ke Num­mer mit groß­ar­ti­gen Vocals daher. Kein High­light von der ers­ten bis letz­ten Minu­te, aber auch nichts für die Skip-Tas­te, vor allem wegen den groß­ar­ti­gen Soli in der Mit­te und dann am Ende nicht.

I Wan­na Stay: reiht sich sti­lis­tisch an den Song zuvor. Auch hier ste­chen die Vocals wie­der beson­ders her­aus. Der Solo­part von Richie ist mir ein biss­chen zu abge­spa­ced und packt mich nicht so, wie dann Adri­ans Ein­satz. Ver­dammt, wenn der Kerl Gitar­re spielt, bin ich ein­fach hin und weg.

‘Till Tomor­row: ist ein wei­te­res ech­tes High­light. Der Song bleibt anfäng­lich eher schlep­pend und stei­gert sich zu einem sehr gei­len Refrain. Super Soli. Funk­tio­niert! Ein wür­di­ger Abschluss des Albums, der dazu moti­viert, das Ding wie­der von vor­ne zu starten.

Mit „Some Peop­le“ ist ein Song auf dem Album, den ich viel­leicht weg­skip­pen wür­de. Die High­lights sind für mich der Ope­ner „Taking my Chan­ces“, „Scars“, „Glo­ry Road“ und »‘Til Tomor­row«. Die übri­gens Songs sind defi­ni­tiv alles ande­re als Fil­ler, brau­chen aber ein biss­chen, da die jewei­li­ge Höhe­punk­te sich ein wenig zu ver­ste­cken scheinen.

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